Diese Woche schrieb der Cartoonist Mark Fiore journalistische Geschichte. Er gewann als erster Online-Journalist den Pulitzer Preis. Fiore konnte den Cartoon-Preis für seine SFGate Animation, die er für San Francisco Chronicle entwickelte, mit nach Hause nehmen. Jedoch fällt er bei Apple mit einer seiner Apps durch die Zensur!

Freundlicher Weise bekam ich von Laura McGann die Erlaubnis, ihren Blog-Artikel zu diesem Thema in etwas gekürzter Fassung auf Deutsch übersetzt wiederzugeben. Für mich persönlich ist dieses Thema sehr interessant und relevant, da ich als Freiberufler fast täglich mit Cartoons, Animationen oder Smartphone-Apps in Berührung komme. Dies ist mein erster übersetzter Artikel – nehmt mir einige Ungenauigkeiten bitte nicht zu übel. ;)

Laura McGann sprach mit Fiore über seinen Preis und Businesspläne. Seit über 10 Jahren verkauft er freiberuflich seine Flash Animationen à la carte an TV-Sender, Zeitungen und Webseiten für rund 300 Dollar das Stück, bei ca. 8 Klienten monatlich. San Francisco Chronicle, für die er die ausgezeichnete Animation entwickelte, ist einer seiner Klienten.

Als Laura ihn über seine nächsten Businessplänen fragte, in der Hoffnung, dass er sein Können bald für mobile Geräte verfügbar macht, erklärte Fiore, dass er diesbezüglich sehr optimistisch sei: “Ich denke, dass Entwicklungen für iPad, iPod bis zum iPhone — oder vielleicht sogar ein Produkt, dass nicht von Apple stammt — für den Vertrieb gut sein könnten.”

Allerdings gibt es dabei ein Problem: Im Dezember hatte Apple seine iPhone App “NewsToons” abgelehnt, da diese Satire “Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens verhöhne,” eine Verletzung des iPhone Developer Program License Agreements. Diese untersagen Apps, deren Inhalte aus Apple’s Ansicht zu beanstanden sind, weil sie beispielsweise Materialien enthalten, die als obszön, pornografisch oder verleumderisch angesehen werden.

Hier die Email, die Fiore von Apple im Dezember 2009 erhilt:

Dear Mr. Fiore,

Thank you for submitting NewsToons to the App Store. We’ve reviewed NewsToons and determined that we cannot post this version of your iPhone application to the App Store because it contains content that ridicules public figures and is in violation of Section 3.3.14 from the iPhone Developer Program License Agreement which states:

“Applications may be rejected if they contain content or materials of any kind (text, graphics, images, photographs, sounds, etc.) that in Apple’s reasonable judgement may be found objectionable, for example, materials that may be considered obscene, pornographic, or defamatory.” Examples of such content have been attached for your reference.

If you believe that you can make the necessary changes so that NewsToons does not violate the iPhone Developer Program License Agreement, we encourage you to do so and resubmit it for review.

Regards,

iPhone Developer Program

Apple hing einige Screenshots zu den beleidigenden Inhalten an die Email an, einschließlich eines Bildes des White House gate crashers – ein Vorfall in dem eine Obama-Rede plötzlich unterbrochen wurde. Weitere Screenshots enthielten Bilder von Animationen, die sich thematisch mit Folter, dem Balloon Boy und weiteren politischen Affären auseinandersetzen.

Fiore ist nicht der erste Karikaturist, der mit den Apple-Zensur Erfahrungen gemacht hat: Letztes Jahr wurde die App “Bobble Rep” von Tom Richmond, in der politische Karikaturen enthalten sind, zunächst von Apple zurückgewiesen. Nach einigem Online-Aufruhr änderte Apple seine Position ein paar Tage später, so dass die App in den App-Store aufgenommen wurde. Ähnliche Erfahrungen machte auch Daryl Cagle, der eine Kartoon Webseite mit über 900 Abonnenten betreibt. Er musste Monate warten, bis seine App endlich zugelassen wurde.

Auch im Vorfeld des iPad-Verkaufs konnten derartige Erfahrungen gemacht werden. Der Willkür Apple’s scheinen App-Entwickler hilflos ausgeliefert zu sein. Unklar ist, wie viele Entwickler sich bereits von Apple abgewandt haben. Aber auch redaktionelle Inhalte großer Medienunternehmen, wie etwa von Bild und Stern, wurden bereits für die Aufnahme in den App Store zensiert.

Fiore verzichtete auf eine Eigenzensur, um eventuell seine App doch noch im App Store zu platzieren. Er berichtete, dass er über die Situation anderer Karikaturisten informiert ist und nicht in der Position sei, sich mit Apple zu messen. Dennoch hat er noch die Hoffnung, dass Apple irgendwann seine Meinung zu Comic-Apps ändert.

Laura’s Anfrage betreffs der Satire Richtlinien bei Apple, lässt unterdessen noch auf sich warten.

Fazit: Einmal mehr lässt Apple meine Haare sträuben. Und wieder richtet sich die Firmenpolitik von Apple gegen eine meiner Haupterwerbsquellen. (Über Flash ist Apple ja bereits zu Beginn diesen Jahres ausführlich hergezogen.)

Die Politik dieses Konzerns ist momentan als sehr bedenklich einzustufen. Vergleiche mit der DDR-Zensur drängen sich meiner Meinung nahezu auf.