Ich hatte leider schon den ersten Ärger mit einem Kunden, der sich um den Großteil der Zahlung meiner Arbeit drücken wollte. Wie ich mit Hilfe von Google-Recherche und einem Anruf bei einem anderen IT-Dienstleister in Erfahrung gebracht habe, bin ich nicht der erste der mit dieser Firma in Gerichshain bei Leipzig dieses Probleme hatte…

Leider war ich damals noch total blauäugig gegenüber den marktwirtschaftlichen Gegebenheiten im Lande und ließ mich von 1-2 Einladungen zu Mittagstisch beim Familienunternehmen zu Hause blenden… Zudem hatte ich noch keine AGBs geschrieben und den ersten Auftrag mehr oder weniger via Handschlag abgeschlossen.

Im konkretem Fall hatte ich im letztem Jahr, in der Übergangsphase zu meiner Selbstständigkeit, für diese Firma auf Stundenbasis vor Ort und von zu Hause an einem Katalog gearbeitet – später fing ich noch mit der Arbeit an einer Webseite an. Da ich damals noch ohne zugewiesene Steuernummer dastand, konnte ich noch keine rechtlich gültige Rechnung zum ersten Projekt schreiben.

Dies tat ich mit erheblicher Verspätung, als mir die Steuernummer endlich im Dezember zugewiesen wurde -  Die Rechnung schickte ich in der Höhe von 630 Euro los. Ich setzte eine Zahlungsfrist von zwei Wochen. Mittlerweile arbeitete ich schon am nächsten Projekt für diese Firma, teilweise vor Ort.

Kein Kommentar zur Rechnung vor Ort – doch als nichts auf dem Konto nach Silvester passierte,  stellte ich die Arbeit ein. Mein Computer leider auch – ein Haarriss auf der Platine meines Powerbooks. Ich begründete zunächst den Arbeits-Stopp mit meinem Computer in der Hoffnung, dass der Betrag noch kommen möge.

Doch als mir am 7.1. mir die Email entgegen Sprang, dass die Firma mir ein erfolgreiches Jahr wünscht und ich auf der Rechnungsanschrift “Familie …” rausnehmen solle, weil dies Probleme bei der Steuerbehörde geben würde – klingelten die Alarmglocken.

Dafür war bereits genug Zeit verstrichen. Jedenfalls änderte ich die Anschrift ohne das Datum auf der Rechnung zu ändern – doch wieder passierte nichts… Es folgte die erste  Mahnung via Mail – keine Reaktion.

Nach der 2. Mahnung (Zahlungsfrist 20.02.), die ich per Einschreiben schickte, ging die Firma eine Woche später in Widerspruch zu meiner Rechnung, da diese angeblich zu hoch wäre… Reichlich spät, mal wieder, wie ich fand und auch nicht berechtigt, da der Arbeitsaufwand eher höher als zu niedrig war…

Sie boten mir an doch eine NEUE Rechnung zu weniger als den HALBEN PREIS zu schreiben…

Darauf einzugehen wäre “schön blöd” gewesen. Vermutlich dachten sie, dass jede Dokumentation zu meiner Arbeit mit meinem kaputten Computer vernichtet wurde. Doch dank einer GMX-Weiterleitung war dies nicht der Fall!
Grundsätzlich warfen sich mir mehrere Fragen auf:

  1. Ab wann gilt eine Rechnung als akzeptiert/angenommen?
  2. Gibt es eine Widerspruchsfrist für Rechnungen? – auch ohne vorherige schriftlichen Vereinbarungen?
  3. Heben Formfehler auf Rechnungen die Widerspruchsfrist auf, falls es diese Frist überhaupt gibt?
  4. Was soll man tun? Ein Inkasso-Unternehmen beauftragen? – Ein gerichtliches Mahnverfahren? Der Kosten/Zeitaufwand damit wäre jedenfalls enorm.

Vernunft-Alarm – Warnsignale beim Verhandeln:

  1. Werde vorsichtig wenn ein Kunde sich ständig über die Inkompetenz deiner Vorgänger beschwert
  2. Vorsicht ist geboten, wenn sich der potentielle Kunde bereits in den Vertragsverhandlungen über in Rechnung gestellte Posten Anderer, wie etwa Anfahrtskosten beschwert, obwohl deren Inrechnungstellung auch in euren AGBs steht ;)
  3. Lasst euch nicht von familien-artiger Freundlichkeit beeindrucken – Ihr wollt nicht ihre Nächstenliebe – Ihr wollt am Markt überleben!
  4. Schlechte Beziehungen des Kunden zu anderen Firmen im Gewerbegebiet/Bürogenbeute – schaut euch das Umfeld an!
  5. Unpräzise Projektvorgaben – “Ich muss das erst einmal sehen…” – “Ich will die Webseite aller Webseiten” – “Das muss filigran aussehen”
  6. Versprechungen von weiteren Folgeprojekten und Kundendatenbanken, die man unbedingt haben solle, um an weitere Aufträge heran zu kommen.

Besonders der letzte Punkt 6 baut einen unheimlichen Druck auf . Zuerst sieht man die Sache positiv. Doch man ist schon in der Falle: In dieser Erwartungshaltung bleibt man am Projekt dran und macht Eingeständnisse für den Kunden, die über das normale Maß an Marktwirtschaftlichkeit hinausgehen, da man immer wieder die Folgeprojekte im Kopf hat. Die Devise sollte heißen: Eins nach dem Anderen – das hält den Kopf frei – ganz ohne Zwänge! Wenn der Kunde zufrieden war kommt er auf sie wieder gerne zurück.

Wenn sich 3 dieser 6 Punkte bewahrheiten würde ich nun von einer Projektzusage abraten. Die wichtigste Fähigkeit am Markt ist auch einmal NEIN zu sagen!

Bald folgt an dieser Steller der zweite Teil inklusive Email-Verkehr und Tipps von meiner Steuerberaterin.